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Experten wollen legalen Anbau von Opium

Wien, 10.03.2005

Nadeltausch- und Opiat-Ersatzprogramme statt Stigmatisierung und Kriminalisierung der Süchtigen. Legaler Anbau von Opium in Afghanistan statt Vernichtung der Mohnkulturen durch giftige Chemikalien.

Diese Forderungen stellte am Mittwoch der Senlis Council, eine Vereinigung von Wissenschaftern und Politikexperten, bei einer Pressekonferenz in Wien. Schon bald werde man mit einer Machbarkeitsstudie für lizenzierten Mohnanbau in Afghanistan beginnen, hiess es.

"Es gibt weltweit einen Mangel an Morphium und Codein für die Behandlung gegen Schmerzen. Er entspricht einem Bedarf an 10.000 Tonnen Opium als Rohmaterial. Afghanistan produziert derzeit rund 4000 Tonnen Opium pro Jahr. Man könnte also die gesamte Opiumproduktion des Landes dafür nützen, diesen Markt zu organisieren", sagte Emmanuel Reinert vom Senlis Council. Die Vereinigung setzt sich seit Jahren für pragmatische Drogenpolitik ein.

Problem Aidsgefahr

Insgesamt, erläuterte Reinert, gebe es weltweit zwei riesige Probleme: die Situation in Afghanistan und die Aidsgefahr rund um den Drogenkonsum. Die Vorschläge der USA, die ihren "Krieg gegen die Drogen" nach dem kolumbianischen Muster auf Afghanistan übertragen wollten, seien schlichtweg schädlich. Das löse nicht die Probleme, es mache sie nur schlimmer.

Der afghanische Minister für Massnahmen gegen Drogen, Habibullah Qaderi, sagte, Präsident Hamid Karzai habe sich vehement gegen die US-Pläne zur chemischen Vernichtung der Opiumernte durch Sprühaktionen aus der Luft ausgesprochen: "Die afghanische Regierung wird das nicht erlauben."

Auch der Opposition von Ländern wie den USA gegen Nadeltausch- und Drogen-Ersatzprogramme wollen Experten den Kampf ansagen. Massimo Barra, ein Fachmann für Suchtprobleme, sagte: "Wenn man den Süchtigen saubere Nadeln gibt, ist das nicht Komplizenschaft, sondern humanitäre Hilfe."

Quelle: DER STANDARD