JES Bielefeld e.V.

21. Juli 2005 - Nationaler Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt übernimmt die Schirmherrschaft

Forderungskatalog

Heroinvergabe als Regelversorgung integrieren!

Die im Jahr 2002 in sieben deutschen Städten (Bonn, Karlsruhe, Köln, München, Frankfurt am Main, Hamburg und Hannover) begonnene Heroin-Studie steht kurz vor dem Abschluss. Erste Ergebnisse dieser Arzneimittelstudie im Rahmen derer Drogenkonsumenten Heroin als Medikament erhalten, zeigen u. a., dass eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustands zu verzeichnen ist. Zu vergleichbaren Ergebnissen sind auch Vorgängerstudien in der Schweiz und in den Niederlanden gekommen.

Der Suchtbeauftragte der deutschen Ärztekammer, Ingo Flenker, geht lt. Bericht davon aus, dass "zwischen 4.000 und 6.000 Betroffene" für eine staatliche Heroinbehandlung infrage kämen, wenn Heroin als Fertig-Arzneimittel zugelassen würde. Die kontrollierte Abgabe von Heroin hat auch in den Niederlanden zu einem Rückgang der Straffälligkeit von Drogenabhängen geführt. Die verringerten sozialen Kosten der Drogensucht machen nach Einschätzungen von Epidemiologen im britischen Ärzteblatt (BMJ 2005; 330: 1297-1302) die Programme wirtschaftlich vertretbar.

Um Opiatkonsumenten neben den bisher zur Verfügung stehenden Medikamenten zur Substitution eine weitere Alternative zu eröffnen, fordern wir nach Beendigung der Studie die Zulassung von Heroin als Medikament sowie den nahtlosen Übergang in die Regelversorgung.

Gesundheitsfürsorge im Strafvollzug!

Das im Gesetz verankerte "Äquivalenzprinzip", also Menschen in Haft gleichwertige Möglichkeiten der Prävention und Behandlung zu ermöglichen wie außerhalb von Haftanstalten, wird gerade mit Füßen getreten. Dass unsere Kinder, Freunde, Partner und Klienten wegen Drogenbesitz und Beschaffungsdelikten inhaftiert sind, verursacht bei uns Besorgnis, Wut und Hilflosigkeit. Hinzu kommt die Angst um Infektionen wie HIV und Hepatitis.

Zur Vermeidung gesundheitlicher Risiken und Schäden für Drogengebraucher in Haft fordern wir den "Gleichheitsgrundsatz" für alle Menschen endlich umzusetzen. Dies meint u. a.: die Wiedereinführung der Spritzenvergabe, Substitution als Erhaltungsbehandlung in allen Haftanstalten, Kondomvergabe sowie Möglichkeiten der Hepatitis A und B Impfung.

Das 'Undenkbare' denken - Legalisierung!

Die oberste Zielsetzung der gegenwärtigen Drogenpolitik, Drogengebrauch und Handel zu kontrollieren, vertraut in Theorie und Praxis immer noch primär auf das sichtbar untaugliche Mittel der Strafverfolgung.

Dies führte bislang jedoch lediglich zu Kriminalisierung und Illegalisierung Drogen gebrauchender Menschen. Der vom Gesetzgeber erwünschte Rückgang des Konsums hingegen bleibt seit vielen Jahrzehnten nahezu überall aus. Um die Kontrolle über gehandelte Drogen zu gewinnen, bedarf es folglich einer kompletten Neuorientierung in Form der Legalisierung bislang illegalisierter Substanzen, die schrittweise erfolgen muss!

"Wo Leben ist, da ist Hoffnung - und unser aller erstes Ziel in der Drogenpolitik sollte darin bestehen, diese Hoffnung am Leben zu erhalten, indem wir die Abhängigen am Leben halten!"
(Heath Brook, Australien)

 

Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit e.V.
Landesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V.
Länderverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit Schleswig-Holstein/Hamburg e.V.
JES ( Junkies - Ehemalige - Substituierte ) Bundesweites Selbsthilfe Netzwerk - DAH Deutsche AIDS-Hilfe e.V.,
AIDS-Hilfe NRW e.V. akzept Bundesverband e.V., akzept Landesverband NRW e.V.
Verantwortlich: Jürgen Heimchen, Ravensberger Str. 44, 42117 Wuppertal, Tel. 0202-423519