Kopenhagen, 22. Februar 2010
Nach jahrelangen Debatten ist am Montag in Dänemark eine Klinik eröffnet worden, die synthetisches Heroin, das so genannten Diamorphin abgibt. In der Klinik in der Hauptstadt Kopenhagen soll die Droge unter ärztlicher Aufsicht an 120 Süchtige und damit an rund ein Prozent aller Drogenabhängigen in dem skandinavischen Land abgegeben werden, sagte Klinik-Leiter Inger Nielsen.
Diamorphin wird bei Abhängigen eingesetzt, bei denen Ersatzstoffe wie Methadon nicht ausreichend wirken. In Deutschland, der Schweiz und in anderen Ländern gibt es solche Programme bereits.
„Unser Ziel ist es nicht, Heroin-Abhängige zu heilen“, sagte Nielsen. Vielmehr sollten die Süchtigen, bei denen Methadon nicht helfe, sauberes Heroin bekommen, damit sie keine Krankheiten riskierten und für die Beschaffung von Drogen keine Straftaten begingen.
An dem Programm können nur Patienten teilnehmen, die von einem Methadon-Therapiezentrum überwiesen werden und selbst um die Aufnahme bitten.
Das dänische Parlament hatte die Abgabe von Heroin unter medizinischer Aufsicht 2008 erlaubt. Die Klinik konnte aber erst eröffnet werden, nachdem sich die Stadt Kopenhagen bereit erklärt hatte, als Standort zu dienen.
Die Abhängigenorganisation Bruger Foreningen bewertet das Programm skeptisch, da die Teilnehmer sich zwei Mal täglich ihre Dosis Heroin abholen müsse. „Das heißt, wie ein Zombie zu leben, ohne einen Job oder ein Studium oder Hobbys“, sagte Organisationschef Jörgen Kjär.
Quelle: Aerzteblatt