TROISDORF, 20.04.2008
“Würde die rechtliche Situation stimmen, würden wir die Diamorphin- Abgabe sofort machen". Christoph Wolf, Leiter der vom Diakonischen Werk an Sieg und Rhein getragenen Drogenhilfe, nutzte den Besuch der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), um sein größtes Anliegen vorzutragen. Das synthetisch hergestellte Heroin gelte aus seiner Experten-Sicht als geeignetes Mittel zur Unterstützung schwerst abhängiger.
Freilich rannte er damit bei der Bundestagsabgeordneten Bätzing offene Türen ein. "Es geht hier nicht um Heroin auf Krankenschein", machte die Drogenbeauftragte deutlich. Das Modellprojekt habe sich in allen sieben beteiligten Städten gut bewährt, erklärte sie ihren Diskussionspartner, unter denen sich auch Vizelandrätin Uta Gräfin Strachwitz, Kreissozialdezernent Hermann Allroggen, Diakonie-Geschäftsführer Jürgen Schweitzer und die CDU-Bundestagsabgeordnete Lisa Winkelmeier-Becker befanden. Gesundheitlich ginge es den mit Diamorphin versorgten Menschen besser. Einige von ihnen hätten sogar wieder in die Arbeitswelt gefunden, andere über den Umweg Diamorphin endlich den Ausstieg geschafft. Und nicht zuletzt schwinde mit der Abgabe künstlichen Heroins die “Szene", seien Beschaffungskriminalität und auch Gewalt nachweislich bei den so versorgten Menschen kein Thema mehr. Selbst die Kosten seien nur geringfügig höher als die einer so genannten “Substituierung" mit Methadon.
Doch um das Modell auf andere Regionen ausdehnen zu können, muss das Betäubungsmittelgesetz geändert werden. Der zuständige Gesundheitsausschuss aber kann sich dazu nicht durchringen. Die CDU-Abgeordnete Lisa Winkelmeier-Becker indes hat die Visitation überzeugt: “Ich sehe dieses Anliegen mit Sympathie".
Quelle: Bonner Rundschau