Dortmund, 13.09.2009
Vor der Tür des Raumes liegen Plastikschalen, in denen sonst Currywürste serviert werden. Nun befindet sich aber in jeder Schale ein Spritzenbesteck und ein Löffel. In dem Raum selbst stehen schwarze Liegen und Stühle, es riecht stark nach Desinfektionsmitteln. An der Wand ist eine große Sauerstoffflasche. "Falls bei einem Schuss etwas schief geht", erklärt Andreas Müller, Sozialarbeiter der Drogenhilfe-Einrichtung K!CK.
Seit 1998 versucht K!CK die Lebensbedingungen von Drogenabhängigen zu verbessern - mit einer Reihe von Angeboten: Die Besucher haben die Möglichkeit, ihre Wäsche zu waschen, sich zu duschen und günstiges Essen im Café zu kaufen. Im Konsumraum, einzigartig in Dortmund, können Abhängige Heroin oder Kokain unter Aufsicht und sauberen Bedingungen konsumieren sowie gebrauchte Spritzen gegen steriles Besteck tauschen. "Natürlich können die Besucher uns auch bei Problemen um Rat fragen", sagt Siegfried Berring*, medizinischer Pfleger bei K!CK. Die 24 Mitarbeiter beraten über Entzugs- Möglichkeiten, drängen aber nicht dazu.
Jürgen Tropfl* besucht die Einrichtung regelmäßig. Der 48-Jährige ist Polytoxikomane - das bedeutet er konsumiert, was ihm in die Hände kommt. "Mit 17 habe ich zum ersten Mal Heroin genommen, eher aus Langeweile". Mit 22 Jahren reist Tropfl nach Indien - es war sehr einfach, an gutes Heroin zu kommen. Tropfl wird abhängig. Zurück in Deutschland dealt er, um sich die Sucht zu finanzieren. Wenn er nicht an Heroin kommt, nimmt er auch Kokain und Tabletten. Es folgen Gefängnisaufenthalte, Entgiftungen, Therapien - und der Rückfall in die Sucht.
Am besten gefällt Tropfl an K!CK der Konsumraum. "Ich kann ohne die Drogen nicht existieren. Ich muss sie zu mir nehmen". Dass er von den Drogen loskommt, daran glaubt er nicht mehr. Von den Mitarbeitern fühlt er sich dennoch würdevoll behandelt. "Hier bin ich nicht nur der nutzlose Junkie." Nur der hohe Zaun um den Hof stört ihn: "Wir fühlen uns manchmal wie Affen im Käfig."
Sozialarbeiter Müller schätzt es, dass die Besucher mit Problemen auf ihn zukommen und er sie nicht dazu drängen muss. Das schwierigste an der Arbeit im K!CK sei, dass man manche Abhängige bis zum Tod beim Konsum begleiten müsse. "Klar ist das eine große physische Belastung", so Pfleger Berring. Dass der akzeptierende Ansatz von K!CK richtig ist, davon ist Müller überzeugt. "Abhängige müssen erstmal lebendig sein, um von den Drogen wegkommen zu können. Und genau da kommen wir ins Spiel. Wir helfen ihnen beim Überleben.”
* Namen geändert
Quelle: Der Westen