Das JES-Journal

Schlag gegen Cannabis-Züchter

30.01.2008

Im Land Brandenburg hat die Polizei am Montag Wohnungen und Häuser in vier Landkreisen durchsucht. Die bundesweite Aktion richtete sich gegen die Drogenszene, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes. Es gebe vier Tatverdächtige im Alter zwischen 22 und 63 Jahren.

Lampen und Lüfter, Töpfe und Erde. Was die Polizei aus der kleinen Laube bei Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) herausträgt, sieht auf den ersten Blick wenig spektakulär aus. Dennoch haben die Utensilien für die Staatsanwaltschaft eine immense Bedeutung. Sie könnten die Grundlage für ein bundesweites Pilotverfahren werden. Darin wollen die Ermittler erstmals klären lassen, ab welchem Zeitpunkt der Verkauf von Zubehör für den Anbau von Cannabis inklusive einer fachmännischen Beratung strafbar ist.

Das Fundament für das Verfahren legten die Ermittler am Montag bei der bundesweiten Razzia. Mehr als 1600 Beamte durchsuchten über 200 Wohnungen und Büros. Im Land Brandenburg rückten 60 Ermittler in der Uckermark, im Barnim, in Oberspreewald-Lausitz und in Spree-Neiße aus, sagt der Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA), Toralf Reinhardt. Mit unterschiedlichem Erfolg. Bei den Einsätzen in Südbrandenburg fanden die Beamten mehrere Plantagen mit Cannabis - die Pflanze, aus der die illegalen Drogen Haschisch und Marihuana gewonnen werden. Die meisten Blätter und Blüten hat der 26-jährige Züchter bereits geerntet. Bis zum Abend saß der Beschuldigte bei der Polizei. Über einen Haftantrag will die Staatsanwaltschaft am Dienstag entscheiden.

In Schwedt (Uckermark) klingelte die Polizei einen weiteren Tatverdächtigen am Morgen aus dem Schlaf. Bei dem 33-Jährigen fanden die Beamten zahlreiche Rechnungen und Utensilien für die Aufzucht der Drogen. Die Geräte waren noch nicht in Betrieb, sagte der LKA-Sprecher. Im Nachbarkreis Barnim war die Ausbeute am geringsten. Dort entdeckten die Beamten lediglich kaum sichtbare Anhaftungen von Cannabis an einem Schrank. Vielleicht ist die Suche auch deshalb erfolglos, weil die Berliner Polizei den 22-Jährigen erst vor zwei Wochen "besucht" hat.

Alle Tatverdächtigen aus dem Land Brandenburg sollen Kontakt zu zwei Geschäftsleuten aus Aachen unterhalten haben. In deren Laden oder über deren Internet-Adresse haben sie das Zubehör für die Plantagen gekauft, vermutet die Polizei. Gegen die 42 und 43 Jahre alten Männer aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen will die Staatsanwaltschaft Aachen das Pilotverfahren um den Verkauf und die Beratung der Aufzuchtanlagen führen.
Von Beate Bias und Dietmar Rietz

Quelle: MOZ