Innsbruck, 10.06.2008
Ein Forscherteam der Abteilung für Experimentelle Psychiatrie an der Universität Innsbruck konnte in Tierversuchen das Drogenzentrum im Gehirn weiter einzugrenzen. Darüber hinaus habe man zeigen können, dass die lokalen Acetylcholin-Rezeptoren im Suchtzentrum präferenziell auf Drogen reagieren würden.
"Nun sind wir auf der Suche nach geeigneten Partnern aus der Pharmaindustrie", betonte Univ.-Prof. Gerald Zeinig. Ziel sei es, ein Medikament zu entwickeln, das in dieser Hirnregion selektiv wirke und Abhängigen bei der Entwöhnung helfe.
Im Jahr 2006 hatte die Forschergruppe zeigen können, dass bei beginnendem Interesse der Versuchstiere für eine Droge vermehrt der "Lernbotenstoff" Acetylcholin und nicht das als "Glücksbotenstoff" bekannte Dopamin freigesetzt wird. "Nun haben wir Hirnregion und betroffenes Neurotransmittersystem weiter eingrenzen können", erläuterte Zernig.
Diese Erkenntnisse seien für die Behandlung von Suchterkrankungen sehr interessant. In Zukunft solle den Patienten durch eine entsprechende Medikamentengabe die Entwöhnung erleichtert werden, ohne diesen gleichzeitig die wichtige Lust auf andere, nicht durch Drogen assoziierte Erlebnisse zu nehmen.
Durch das Medikament erwarte man sich, dass es Abhängigen gelänge die Welt abseits der Drogen wieder neu zu entdecken. Bis zur Entwicklung eines solchen Medikaments, welches das Drogenverlangen selektiv beeinflusst, könne es aber noch ein weiter Weg sein. "Je nachdem, welche Substanzen die Pharmaindustrie in ihrem Portfolio hat", erklärte Zeinig.
Die Attraktivität des Suchtmittels ermittelten die Forscher, indem sie die Geschwindigkeit gemessen haben, mit der ein Versuchstier auf eine Kammer zulief, in der es eine intravenöse Drogeninjektion erhielt. Dabei haben sie die lokalen Rezeptoren der Versuchstiere im Kerngebiet des Drogenzentrums blockiert.
Um die Drogenabhängigkeit von der Nahrungsaufnahme zu unterscheiden,
wurde der gleiche Versuch mit Futter als Lockmittel durchgeführt. Die
Ergebnisse hätten gezeigt, dass die Attraktivität von Futter durch die
Blockade der Acetylcholinrezeptoren im Gegensatz zur Attraktivität der
Drogen nicht abnahm.
(APA/red)
Quelle: Der Standard